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Alt genug

Autorenbild: Judith Koch
Judith Koch
13. März
3 Min. Lesezeit

🅆🄴🅁🄱🅄🄽🄶 📝 Rezension

📚 Rezensionsexemplar / Roman


❓️Warum wollte ich das Buch lesen?


Mit den Büchern von Ildikó von Kürthy habe ich mich schon oft erstaunlich gut aufgehoben gefühlt. Ihre Mischung aus Selbstironie, Ehrlichkeit und diesen kleinen, entlarvenden Alltagsbeobachtungen sorgt bei mir regelmäßig dafür, dass ich mich ertappt fühle und manchmal sogar über mich selbst lachen muss.

Auch diesmal war meine Neugier groß. Außerdem kenne ich ihre Offenheit aus ihren öffentlichen Auftritten (Habe schon mal mit ihr zusammen gekocht) und ihrem Instagram-Account. Ob Besuch auf dem Wacken-Festival oder die Teilnahme bei GNTM, sie probiert Dinge aus, die man vielleicht nicht unbedingt mit einer Frau jenseits der 50 verbindet. Genau diese Mischung aus Mut, Selbstzweifel und Humor macht sie für mich so spannend.

Und ehrlich gesagt, als Teil der Generation X fühle ich mich hiermit ohnehin angesprochen.


🧠 Meine Meinung:


Dieses Buch hat bei mir sofort etwas ausgelöst. Ein zustimmendes Nicken, ein Schmunzeln und manchmal auch einen dicken Kloß im Hals.

Schon früh im Buch gibt es eine Stelle, die zeigt, warum diese Aufzeichnung wichtig ist.


„𝐔𝐧𝐝 𝐝𝐞𝐬𝐰𝐞𝐠𝐞𝐧 𝐬𝐚𝐠𝐞 𝐢𝐜𝐡, 𝐰𝐚𝐬 𝐢𝐜𝐡 𝐟ü𝐡𝐥𝐞, 𝐰𝐞𝐢𝐥 𝐢𝐜𝐡 𝐰𝐞𝐢ß, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐢𝐦𝐦𝐞𝐫 𝐢𝐫𝐠𝐞𝐧𝐝𝐰𝐨 𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐅𝐫𝐚𝐮 𝐳𝐮𝐡ö𝐫𝐭, 𝐝𝐢𝐞 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐯𝐞𝐫𝐬𝐭𝐞𝐡𝐭 …“


That's me!

Ich hatte ständig das Gefühl, ja, genau so ist es!

Viele Gedanken, die sie beschreibt, kenne ich selbst. Und manchmal ist es fast erleichternd, diese Gefühle von außen zu betrachten, denn in der Situation selbst ist man vielleicht frustriert oder beleidigt. Beim Lesen dagegen kann man darüber schmunzeln. Und plötzlich setzt sich das Gedankenkarussell der Selbstreflexion in Bewegung.

Besonders berührt hat mich, wie sehr sich mein eigenes Leben in ihren Büchern spiegelt. Schon in ihrem Roman Es wird Zeit gab es erstaunliche Parallelen zu meiner eigenen Geschichte. (Namensvetterin, Mutter gleicher Name, auch verstorben, selbst der Wellensittich hieß Kasimir, wie unserer, u.v.m) Und auch hier in Alt genug tauchen wieder Momente auf, die sich anfühlen, als hätte jemand in meine Erinnerungskiste geschaut.

Ich habe das gleiche Alter und freunde mich mehr und mehr damit an. Doch gleichzeitig stecke ich mitten in diesem Wandel, Kinder sind aus dem Haus, kleine körperliche Wehwehchen melden sich gelegentlich, die Wechseljahre sind im vollem Gange und plötzlich hat man mehr Freiheit als früher.

Und genau darin liegt die Ambivalenz. Zwischen Alt genug ist es auch noch zu früh.

Man ist angekommen und fühlt sich doch noch nicht ganz dort.

Das Buch beschreibt diese Zwischenphase unglaublich ehrlich. Es verschweigt nichts. Krankheiten, Depressionen, Abschiede, Verluste und trotzdem ist die Stimmung nicht düster. Im Gegenteil. Gerade weil die Autorin sich selbst nicht schont und ihre Gedanken manchmal bewusst überspitzt, entstehen viele humorvolle Momente.

Ich habe beim Lesen gelacht, manchmal laut, aber ich habe auch geweint.

Denn manche Stellen holen einen ein. Erinnerungen, Gefühle, Situationen, die man vielleicht längst weggeschoben hatte.

Besonders gefällt mir die Botschaft, die zwischen den Zeilen mitschwingt.

Mit über fünfzig darf man ehrlicher werden. Freier. Vielleicht sogar ein bisschen egoistischer. Man muss nicht mehr alles kaschieren, weder graue Haare noch Gefühle.

Natürlich gelingt das nicht immer sofort. Auch für die Autorin ist es noch ein Lernprozess. Aber gerade diese Unperfektheit macht das Buch so authentisch.


✅️ Fazit:


Alt genug ist ein ehrliches, warmes und gleichzeitig sehr unterhaltsames Buch über das Älterwerden, besonders für Frauen der Generation X.

Ildikó von Kürthy schreibt offen über Zweifel, Veränderungen und Verluste, aber auch über Mut, Freiheit und die leise Erkenntnis, dass man nicht mehr alles im Leben erfüllen muss.

Ein Buch zum Lachen, zum Nachdenken und manchmal auch zum Weinen. Vor allem aber eines, das zeigt, mit all unseren Ängsten, Fragen und kleinen Lebenskrisen sind wir nicht allein.

Und genau deshalb hat mich dieses Buch so begeistert.


🔎 Worum geht’s?


Alt genug ist kein Roman, sondern ein Memoir, ein persönlicher Einblick in das Leben und die Gedankenwelt der Autorin.

Ildikó von Kürthy erzählt vom Älterwerden, vom Reifen, vom Scheitern und davon, sich selbst immer wieder neu zu begegnen. Sie schreibt darüber, was es bedeutet, in der sogenannten Lebensmitte anzukommen, einem Alter, das heute gerne mit dem hübschen Begriff „Bestager“ geschmückt wird.

Doch so glänzend dieser Begriff klingt, auch das „beste Alter“ bringt Unsicherheiten, Zweifel und körperliche Veränderungen mit sich. Zwischen Wechseljahren, kleinen Wehwehchen, politischen Sorgen, Verlusten und neuen Freiheiten stellt sich die Frage: Wer bin ich eigentlich jetzt und wer möchte ich noch werden?

Mit viel Humor, Selbstironie und Offenheit berichtet die Autorin von ihren eigenen Versuchen, Erwartungen loszulassen, mutiger zu werden und sich weniger darum zu kümmern, was andere denken.

 
 
 

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