Hazel sagt nein
🅆🄴🅁🄱🅄🄽🄶 📝 Rezension
📚 Rezensionsexemplar / Bloggerbox
Buddyread: @Virginias.lesewelt
❓️Warum wollte ich das Buch lesen?
Das Thema hat mich sofort angesprochen. Die Grundidee klang intensiv, mutig und nach einer Geschichte, die lange nachhallt. Ich habe mich darauf eingestellt, gedanklich gefordert zu werden, auch über das Lesen hinaus. Zudem hatte ich bestimmte Erwartungen und Hoffnungen an die Entwicklung der Geschichte und an Hazels Stärke als Figur. Ich war bereit für ein unbequemes, emotionales Buch, das etwas auslöst.
🔎 Worum geht’s?
Die Familie Blum zieht von Brooklyn in das beschauliche Riverburg in Maine, weil Vater Gus dort eine Professur antritt. Die Hoffnung auf einen Neuanfang in ruhigerem Umfeld hält jedoch nicht lange. Bereits an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel vom Schuldirektor Richard White zu sich zitiert. Dort konfrontiert er sie mit einem ungeheuerlichen Geständnis. Jedes Jahr wählt er eine Schülerin aus der Abschlussklasse für eine s**uelle Beziehung und diesmal ist Hazel an der Reihe. Hazel sagt instinktiv Nein. Diese Entscheidung setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die nicht nur ihre Familie, sondern die gesamte Stadt erschüttert.
🧠 Meine Meinung:
Positiv fand ich, dass man sehr schnell mitten in die Geschichte geworfen wird. Die Konfrontation zwischen Hazel und dem Direktor gleich zu Beginn ist stark und eindringlich. Seine Figur? Einfach nur widerwärtig. Ein perfides Machtspiel, aber ein guter Einstieg.
Leider verlor mich die Geschichte im Verlauf zunehmend. Für meinen Geschmack verliert sich die Autorin zu sehr in Details, die für die eigentliche Handlung nicht relevant sind. Ausführliche Beschreibungen, etwa zum Beruf des Vaters, der Mutter oder auch zu medialen Nebensträngen, etwa wer alles Interesse an Hazels Story hat, wirkten auf mich ausufernd und bremsten die Intensität der Geschichte spürbar aus. Dabei ist die Grundstory wirklich stark und hätte viel emotionales Potenzial gehabt.
Stattdessen wird das Kernthema von zahlreichen weiteren Themen überlagert. Familienalltag, Midlifecrisis, Eheprobleme, finanzielle Sorgen, Depressionen, Drogenkonsum, Antisemitismus, Feminismus, alles wichtig, keine Frage, aber hier wirkte es auf mich wie ein Zuviel. Dadurch wurde das eigentliche Thema für mich verwässert, und die Geschichte ließ mich überraschend emotionslos zurück.
Auch die Figuren blieben für mich dadurch blass. Obwohl die Familie grundsätzlich zusammenhält, ist jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass mir das Mitfühlen schwerfiel. Hazel selbst konnte ich nicht immer nachvollziehen, was schade ist, da sie eigentlich als starke, kluge Protagonistin angelegt ist.
Etwa zur Hälfte des Buches, um Seite 212, fühlte sich die Geschichte für mich bereits abgeschlossen an. Es war absehbar, dass alles auf ein gutes Ende hinausläuft und auf ein zu sehr gewolltes Happy End. Die vielen folgenden Seiten wirkten dann für mich größtenteils wie unnötige Ausschmückungen. Das Buch hätte meiner Meinung nach deutlich kürzer sein können, ohne an Aussagekraft zu verlieren.
Eine Sache am Ende hat meine eher negative Haltung jedoch etwas versöhnt. Eine bestimmte Entwicklung, auf die ich gehofft hatte, wurde aufgegriffen und das war mir wichtig, um Hazels Charakter nicht grundsätzlich infrage stellen zu müssen.
✅️ Fazit:
Hazel sagt nein hat eine starke, mutige Grundidee und ein wichtiges Thema. Leider konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Zu viele Nebenschauplätze und Details nehmen dem Kernthema Raum und Intensität. Für mich blieb die Geschichte dadurch emotional überraschend kühl, obwohl sie großes Diskussionspotenzial bietet.
Trotzdem möchte ich betonen, die Idee ist gut, das Thema relevant, und ich verstehe, warum dieses Buch viele Leser*innen bewegt. Geschmäcker sind verschieden und das hier ist ausschließlich meine persönliche Meinung. Positiv bleibt für mich, dass die Geschichte zum Nachdenken anregt und ein wichtiges Thema nicht scheut, auch wenn sie mich persönlich nicht so erreicht hat, wie ich es mir erhofft hatte.
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