Jetzt beginnt das Leben
🅆🄴🅁🄱🅄🄽🄶 📝 Rezension
📚 Rezensionsexemplar / Roman
❓️Warum wollte ich das Buch lesen?
Manchmal brauche ich ein Buch, das anders ist. Eines, das mich aus meiner Komfortzone holt, mich überrascht und mir vielleicht sogar eine Geschichte erzählt, die ich so noch nicht gelesen habe.
Als ich gelesen habe, dass ein erwachsener Mann plötzlich mit seinem verstorbenen Vater und sogar mit seinem eigenen jüngeren Ich telefoniert, war meine Neugier sofort geweckt. Denn mal ehrlich, wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was er seinem jüngeren Ich sagen würde, wenn er die Möglichkeit dazu hätte? Würden wir etwas verändern? Eine Entscheidung rückgängig machen? Jemanden warnen?
Genau mit dieser Frage beginnt für mich die Faszination dieses Buches.
🧠 Meine Meinung:
Ich bin ehrlich, dieses Buch hat es mir nicht leicht gemacht.
Es hat mich neugierig gemacht, überrascht, stellenweise schockiert und auch traurig und wütend zurückgelassen. Und trotzdem sitze ich nach dem Lesen da und denke, was genau halte ich eigentlich von dieser Geschichte?
Und genau das ist für mich das Schwierige, aber vielleicht auch das Spannende, an diesem Buch.
Besonders fasziniert haben mich die Telefonate zwischen Vidar und seinem jüngeren Ich. Diese Szenen hatten für mich etwas unglaublich Besonderes. Zu wissen, dass der erwachsene Vidar mehr weiß und versucht, sein jüngeres Ich vor etwas zu bewahren, erzeugt eine ganz eigene Spannung.
Denn natürlich wollte ich unbedingt wissen, was ist am 17. Juni 1986 passiert?
Und je länger ich gelesen habe, desto mehr wollte ich die Antwort.
Gleichzeitig empfand ich die Familiendynamik als schrecklich. Bei Vidars Eltern wollte ich mehr als einmal dazwischengehen, sie wachrütteln und ihnen sagen, schaut doch endlich hin!
Lange habe ich mich außerdem gefragt, warum Schulman die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt und welche Rolle Vidars Suspendierung in der Gegenwart spielt. Ist sie nur der Auslöser dafür, dass Vidar Zeit bekommt, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen? Oder steckt dahinter noch etwas ganz anderes?
Und dann kam das Ende. Ich war sprachlos.
Ohne zu viel zu verraten, bekommt die Geschichte dadurch noch einmal eine andere Tiefe. Besonders wenn man weiß, dass Schulmans Schreiben stark von seiner eigenen Familiengeschichte geprägt ist, betrachtet man manche Dinge vielleicht noch einmal mit anderen Augen.
Für mich war es das erste Buch von Alex Schulman. Vielleicht hätte ich einen anderen Zugang zu dieser Geschichte gefunden, wenn ich seine vorherigen Bücher und damit auch die Hintergründe seiner dysfunktionalen Familie gekannt hätte.
Denn eines hat "Jetzt beginnt das Leben" definitiv geschafft, es hat mich nicht kaltgelassen.
✅️ Kurzfazit:
Eine ungewöhnliche Geschichte über Vergangenheit, Familie, verdrängte Erlebnisse, Traumata und die Frage, ob wir unser Leben noch einmal anders beginnen könnten.
Ich habe nicht alles geliebt. Manche Dinge haben mich ratlos zurückgelassen. Aber ich war neugierig, wollte Antworten und habe das Buch sehr schnell gelesen.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieser Geschichte.
Man kann eben die Vergangenheit nicht zurückholen. Man kann nicht verhindern, was bereits geschehen ist. Aber vielleicht kann man irgendwann verstehen, was einen geprägt hat und genau dann beginnt das Leben noch einmal neu.
🔎 Worum geht’s?
Vidars Leben gerät aus den Fugen. Nach einem Vorfall in der Schule wird er suspendiert. In dieser schwierigen Zeit entdeckt er die Telefonnummer des alten Sommerhauses seiner Familie und ruft spontan an.
Am anderen Ende meldet sich sein längst verstorbener Vater.
Doch damit nicht genug. Die Telefonate führen Vidar zurück zum 17. Juni 1986, einem Tag aus seiner Kindheit, an dem etwas Entscheidendes passiert ist.
Je mehr Vidar herausfinden möchte, desto tiefer taucht er in seine Vergangenheit ein. Und irgendwann beginnt er sogar, mit seinem jüngeren Ich zu sprechen. Er weiß, was dieses Kind noch nicht weiß. Und er möchte es schützen. Doch kann man die Vergangenheit wirklich verändern?
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